Kaum hat sich die Euphorie um GTA 5 etwas gelegt, findet die Gamerwelt einen neuen Hype-Zug zum aufspringen. Dieser gehört Nintendo und führt geradewegs in die neue Pokémon-Region Kalos. Die Erwartungen sind riesig, immerhin zeigte Nintendo in regelmäßigen Abständen immer wieder Trailer, welche Neuerungen aller Art anpreisten. De facto sollte Pokémon X/Y die Kultserie in eine zeitgemäßere Zukunft führen. Doch wie neu ist die 6. Generation? Und ist sie nicht nur neu sondern auch gut?

Bienvenue à Kalos

Die erste Neuerung, die dem eingefleischten Trainer ins Auge sticht: Pokémon X/Y hat sich in die dritte Dimension bewegt und damit meinen wir nicht den 3D-Effekt des 3DS. Nein, Nintendo ist in der 6. Generation weg von zweidimensionalen Sprites zu komplett dreidimensionalen Polygon-Modellen gewechselt… und sieht dabei verdammt gut aus! Die Region Kalos (dessen Inspiration eindeutig Frankreich war) wechselt sich zwischen lebhaft gestalteten Routen und eindrucksvollen Städten ab. Kamerafahrten während eurer Reise sorgen dabei für ein deutlich dynamischeres Gefühl, als es früher der Fall war. Die Kämpfe sind wie immer, dank effektvoller Attacken und sauberer Animationen eurer Pokemon, ein echtes Highlight des Spiels und laufen, bis auf einige Miniruckler, auch absolut flüssig.

X/Y

Ob auf den Routen…

X/Y

oder in der Stadt: Pokémon X/Y macht optisch eine gute Figur.

Auch soundtechnisch lässt sich Pokémon X/Y nicht lumpen. Der Soundtrack besteht sowohl aus neuen Stücken, als auch bekannten Melodien, alle stimmig komponiert und zum Teil mit Nintendos unverkennbarem Ohrwurmfaktor. Ein kleiner  Faux-Pas ist dennoch in der Präsentation zu finden: Die Pokémon haben noch immer ihre serientypischen Rufe, statt das sie ihre Namen sagen. Das würde nicht auffallen, hätte man beim Aushängeschild Pikachu keine Ausnahme gemacht. Dieser erhielt seine aus dem Anime bekannte Stimme. Ob es nun tatsächlich zu viel Arbeit gemacht hätte, oder Nintendo – salopp gesagt – keine Lust hatte, sei mal dahin gestellt. Fakt ist: Je häufiger ich Pikachu reden höre, umso mehr wünschen ich mir das Gleiche für die restlichen 717 Pokémon. Abseits dessen ist die Präsentation allerdings absolut vorbildlich und zeigt, was aus dem 3DS auch technisch rausholbar ist.

X/Y

Froxy im Kampf gegen Vivillon

X/Y

Elektro schlägt Flug: Daitiri (vorne im Bild) ist Eguana klar unterlegen

 

 

Schnapp sie dir alle

Kein neues Pokémon ohne neue Pokémon, das ist Gesetz. Die 6. Generation hat sich dabei allerdings in der Menge stark zurückgehalten. Gerade einmal 69 neue Arten bietet Kalos, was das mit Abstand kleinste Mengenupdate der Serie ist. Dafür sind diese sehr gut in der gesamten Region verteilt. Auch sind viele der neuen Pokémon in Sachen Design und Funktion besser durchdacht. Das liegt unter anderem auch am neuen Fee-Typ, welche die Sonderstellung der Drachenpokémon nun endgültig auflöst. Sollten euch die neuen Pokémon allerdings trotzdem nicht zusagen, könnt ihr euch – dank des sehr gut gelungenen Vorkommenverhältnisses aus alten und neuen Taschenmonstern – problemlos ein Team aus den alten Generationen zusammenstellen. Um dem Spieler das Sammeln nun noch schmackhafter zu machen, gibt es auch für das Pokémonfangen – was in der Regel wesentlich schwerer ist, als das Besiegen – Ehrfahrungspunkte.

X/Y

Die neuen Starterpokémon von links nach rechts: Igamaro, Fynx und Froxy

Ein Spaziergang durch Kalos

Wer jemals mit Pokémon in Berührung gekommen ist, weiß, was ihn erwartet. Das Ziel hat sich nämlich seit 17 Jahren nicht geändert: Fange alle Pokémon und werde Champ der Pokémon-Liga. Pokémon X/Y gibt dabei einen angenehm flotten Start vor. Statt ewigen Drumherum und nervigem Backtracking in der Anfangsphase, gibt euch das Spiel relativ schnell euer Starterpokémon und lässt euch die Welt erkunden. Und auch sonst ist das Spiel alles andere als mühselig. Eher im Gegenteil. Zwecks dessen, dass ihr den EP-Teiler schon extrem früh erhaltet, levelt ihr praktisch von selbst. Eine weitere Möglichkeit, die das Spiel stark erleichtert, bietet das neue Supertraining, welches euch vor simple Minispiele stellt und so euren Pokemon zum Teil extrem hohe Werte-Boosts verpasst. Und auch der Modus PokémonAmi verleit euren Begleitern mit zunehmenden Fortschritt hohe EXP-Boosts.

Wenn ihr all diese Möglichkeiten tatsächlich regelmäßig in Anspruch nehmt, wird das Spiel sehr einfach. Allerdings sind alle diese Punkte rein optional, genau wie die groß angekündigten Megaevolutionen, welche euch nach der Hälfte der Spielzeit begegnen. Diese sind übrigens um einiges weniger Spektakulär, dafür aber umso wirksamer. Eine Megaevolution kommt etwa 4 bis 5 Level-Ups gleich, wodurch ihr natürlich leicht overpowered werdet. Als Wendung in einem Kampf ist das zwar ein echt cooles Feature, doch die Tatsache, dass die einzige Begrenzung darin besteht, dass nur eine Megaevolution pro Kampf genutzt werden kann, ist doch reichlich schwach. Eine Abklingzeit beispielsweise, oder andere negative Nebenwirkungen, hätten zu einer weiseren Nutzung der Megaevolution geführt. Hier hat Nintendo für kommende Spiele deutlich Korrekturbedarf.

X/Y

Sie sehen cool aus, sind aber etwas zu stark: Die Megaevolutionen

Der richtige Schritt

Jetzt ist aber mal genug gemeckert. Pokémon X/Y hat den wichtigen ersten Schritt aus dem repetitiven Trott gemacht, in den das Franchise geraten ist. Im Kern mag es sich hierbei immer noch um das gleiche Gameplay handeln,  wie Rot und Blau anno 1996, doch es sind die Details, welche das Spielgefühl deutlich dynamischer und frischer machen. Nicht zuletzt macht das Fangen und Anfreunden mit Pikachu und co. so viel Spaß wie eh und je.

Unsere Wertung: 

8-Wertung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.