Mehr als nur ein Spiel

Es ist eine Reise, die mich verändern soll. Die Suche nach mir selbst… in einer Reise zu einem magischen Ort.

Alle paar Jahre erscheint ein Spiel, das sich von dem Markt abhebt, das alles anders und das meiste auch besser macht. Es sind diese Spiele, die es schaffen in einem grauen Einheitsbrei aus 08/15-Shootern, Fortsetzungen zu Fortsetzungen, Minecraft-Klonen und Minispiel-Tsunamis, aufzufallen wie ein Oase in der Sahara. „Portal“ war so ein Spiel. „Ico“ und „Shadow of the Collosus“ waren solche Spiele. Und „Journey“ ist es ebenfalls.

Journey“ erschien am 14. März 2012 in Europa als Downloadtitel, exklusiv für die PS3. Entwickelt wurde es von thatgamecompany, eine Firma die mit den Spielen „Flow“ und „Flower“ schon vorher bewiesen hat, dass ihr das Besondere liegt.

Doch fangen wir  vorne an. In „Journey“ spielt man eine mit einer Robe bekleidete Gestalt, die aussieht, als sei sie direkt aus alt-ägyptischen Hieroglyphen entsprungen. Ihr startet auf einer Düne inmitten einer Wüste, ohne Karte, ohne konkrete Zielvorgabe und ohne Story. Einzig ein Berg im Hintergrund, scheint als Ziel in Frage zu kommen, also macht ihr euch sogleich dorthin auf den Weg.

Durch alles was das Spiel verströmt,wirkt dieser Weg zum Berg wie eine Pilgerfahrt zu einem heiligen Ort. Man trifft auf Ruinen, Schriftrollen die wie lebendige Wesen durch die Luft fliegen und der Gipfel des Berges leuchtet in einem anmutigem Licht. Auch die durch eine Art Höhlenmalerei erzählte Hintergrundstory scheint dem Berg eine heilige Bedeutung in dem Volke des Reisenden zu haben. Die Figur passt mit der etwas religiös anmutenden Robe perfekt in dieses Bild der Mystik. Doch da die Story nicht erzählt wird bleibt einem nichts übrig, als etwas zu tun, was man in Journey sehr oft tut: sich seine Geschichte selbst zu erzählen.

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Ein bezaubernder Anblick

Das Nichts umgibt mich im feinen Sand der Wüste. Und es ist wunderschön, so leer und doch so voller Leben. Dieser Ort zeigt sein wunderbares Antlitz in allem was sich umgibt.

Wer denkt, dass man eine Wüste nicht eindrucksvoll aussehen lassen kann, der täuscht. Abseits der sehr schönen Grafik mit tollen Lichteffekten und einer Sandphysik, die meines Erachtens nach sogar besser aussieht als in „Uncharted 3“, wirken auch die Ruinen, Schreine und der Friedhof am Fuße des Berges sehr authentisch. Grafisch ist „Journey“ einfach nur bildschön und spielt sich sehr flüssig. So gute Optik habe ich einem Indietitel gar nicht zzugetraut.

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Liebliche Klänge

Wenn meine Ohren den Klängen des Windes lauschen, fängt mein Herz an diese Reise in sich zu schließen.

Schon einmal von einem Videospielsoundtrack gehört, der für einen Grammy nominiert wird? Nicht weiter schlimm, denn der „Journey“ Soundtrack nimmt dabei die Rolle des Pioniers ein. Und womit? Mit Recht. Der Soundtrack (komponiert von Austin Wintory) passt nicht nur herrlich zu absolut allen Stellen im Spiel, noch hinzu kommt dass er auch separat sehr gut gehört werden kann. Nur wenige Soundtracks weder im Film noch im Videospiel schaffen es den Zuhörer, auch ohne, dass er das Spiel kennt, so sehr zu bezaubern.

 

Die Ruhe weg

Es ist gleichgültig wie lange die Reise dauert. Nichts hält mich auf oder steht mir im Weg. Ich muss nicht eilen, nicht vor Angst mich verkriechen. Ich muss einfach nur reisen…

Wenn „Journey“ eines nicht besitzt, dann einen nur ansatzweise anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad. Genau genommen gibt es in „Journey“ kaum Action und auch diese zieht selbst bei kompletter Unfähigkeit des Spielers unter gar keinen Umständen den Tod als Konsequenz mit sich.

Und die gelegentlichen Rätsel sind auch ohne einen Funken an Hirnschmalz keine Herausforderung.

Man muss bei diesem Spiel nicht vollends dabei sein, im Gegenteil. Wenn man (gerade dank des Soundtracks) eines bei Journey richtig gut kann dann ist es entspannen. Einmal sich einfach nur so treiben lassen, so wie es die Spielfigur tut. Journey wirkt beim Spielen nicht langsam oder reichlich unspektakulär sondern wirklich nur entspannt. Es ist nicht nur ingame eine spirituelle Reise, sondern auch der Spieler kann sich klar darüber werden wie herrlich es auch in Videospielen ist wenn nur mal für einen Augenblick nicht die ganze Welt retten muss.

 

Wahre Kooperation

Ich verstehe ihn nicht und doch weiß ich was er sagen will. Wir haben ein gemeinsames Ziel, wir helfen uns, wir lassen einander nicht zurück. Ich kenne ihn nicht und doch nenne ich ihn Freund.

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Wenn man beim Spielen mit dem Internet verbunden ist, kann es passieren, dass ein weiterer Spieler per Zufallsverfahren zu einem stößt. Wer diese Person ist, kann vom Spieler nicht entschieden werden. In diesem Falle kann man dann die Reise kooperativ fortsetzen.

Die Ironie an der Sache:

In den meisten für Coop optimierten Spielen läuft die Kooperation meist mäßig, falls überhaupt vorhanden. Im schlimmsten Fall fangen die Spieler an sich gegenseitig für jeden noch so kleinen Fehler zu beschimpfen.

Journey“ ist so gesehen die Hölle für Kooperation, denn abseits dessen, dass man sein gegenüber nicht kennt und seine ID erst zum Ende des Spiels einsehbar ist kann man sich auch nicht via Chatfunktion geschweige denn Voicechat verständigen. Einzig und allein mit einer Art Ruf den die Spielfigur per Knopfdruck von sich gibt kann man sich „unterhalten“. Nur was heißt es jetzt wenn der Freund zweimal ruft? Das muss man sich selbst denken, keiner weiß ob das der Aussage des anderen entspricht. Und doch funktioniert „Journey“ im Coop viel besser als in so manch anderem Spiel. Der Glaube auf den anderen angewiesen zu sein, führt dazu, dass die beiden Spieler sich viel mehr um einander kümmern und Ehrfahrungen austauschen.

 

The Journey is the aim

Journey“ ist weniger ein Spiel als vielmehr eine gedankliche Reise für den Spieler. Ich habe durch das Spiel wieder gemerkt, warum mir Videospiele so am Herzen liegen. Und es weckt in mir zum zweiten mal in meiner Zeit als Videospieler wahre Emotionen beim zocken. Damals brachte mich „Shadow of the Collosus“ zum schluchzen, heute bringt mich „Journey“ zum lächeln.

Man kann dem Spiel sicherlich mit 2,5 Stunden eine sehr kurze Spielzeit, oder auch recht plattes Gameplay vorwerfen.

Doch viel mehr bleibt nach dem Spielen ein kaum zu beschreibendes Glücksgefühl. Das Spiel zwingt uns zu nichts, es lässt es uns angehen wie wir wollen. Ohne Konsequenzen. „Journey“ lobt uns nicht, bestraft uns nicht, stellt uns vor keine Aufgabe, sondern nur vor ein Ziel. Und wann man das erreicht bleibt jedem selbst überlassen.

Fazit:

Journey hinterlässt Spuren im Sand der Gamingwüste. Ein Spiel, dass so manchen begehrten Award wie aus dem Nichts ergattert, für den Triple-A-Titel den Verleihern die Schuhe küssen würden. Thatgamecompany hat es geschafft, eine einzigartige Idee, mit solider Mechanik, schöner Grafik und großartigem Soundtrack zu einem Spiel der Extra-klasse zu formen, das Kritiker auf der ganzen Welt überzeugen konnte. Großen Respekt dafür!

 

9-Wertung

 

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