Am 14. November dieses Jahres erschien Assassin´s Creed: Unity, welches wieder einmal von Ubisoft Montreal entwickelt wurde. Dass jedes Jahr ein Assassin’s Creed erscheint, danach können wir uns ja inzwischen schon die Uhr stellen. Dieses Mal beglückte uns Ubisoft sogar mit zwei Titeln! Es handelt sich um das für die Last-Gen erschienene Rogue und um das für die Next-Gen erschienene Unity. Doch heute lassen wir Rogue links liegen und beschäftigen uns mit der PlayStation 4 Version von Assassin’s Creed: Unity. Der neueste Teil ist somit inzwischen schon der 8. Nachfolger in der Assassinen-Saga! Ich war immer ein großer Fan von Ubisofts Meuchelmörder-Geschichten, aber nach Teil 3 trat für mich die große Ernüchterung ein. Ich dachte mir, da nun die Desmond-Saga abgeschlossen wurde, man könne die Serie in Ruhe enden lassen. Aber so sollte es nicht kommen. Stattdessen erscheinen stets neue Ableger im 1-Jahrestakt. Meist sind diese unfertig und voller Bugs. Des Weiteren beinhalten diese repetitives Gameplay, sodass sich jedes Spiel durch die „Ubisoft-Formel“ gleich anfühlt. Doch was ist diese ominöse Ubisoft-Formel? Schauen wir uns mal die in den letzten Jahren erschienen Spiele dieses Entwicklers an. In der Far Cry sowie in der Assassin’s Creed-Reihe, gibt es immer eine frei begehbare Welt, welche mit allerlei unnötigen Sammelobjekten und sich gleich spielenden Nebenmissionen vollgeklatscht ist. So bietet  jedes Spiel, egal was für Abweichungen es gameplaymäßig gibt, nichts  wirklich Neues. Das ist insofern schlimm, dass es zwar total andere Genres sind, aber es sich wie ein und dasselbe anfühlt. So bescherte mir nach Teil 3 kein weiteres Spiel mehr das Meuchelmörder-Feeling. Trotzdem bestellte ich mir wieder eine Special Edition, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Das Unboxing der Notre Dame-Edition findet ihr übrigens hier.  Weder auf der Gamescom noch in den Trailern konnte ich etwas Schlechtes an dem Spiel finden. Doch irgendwie blieb die Euphorie aus. Genug des Vorgeplänkels! Ob sich der Kauf gelohnt hat, erfahrt ihr jetzt.

La liberté ou la mort!

Dies war der Leitspruch der französischen Revolution, in der unsere Geschichte stattfindet. Wir spielen den Freigeist Arno Dorian, der als Kind grausamer Zeuge des Mordes an seinem Vater im Versailler Palast wird. Daraufhin wird er von einem Freund seines Vater namens Francois de la Serre aufgenommen. Bei diesem Mann wächst Arno auf und verliebt sich gleichzeitig in dessen Tochter Elise. Doch in Paris muss Arno als Erwachsener erneut mit ansehen, wie ein geliebtes Familienmitglied – sein Adoptivvater – vor seinen Augen ermordet wird. Dies dient als Aufhänger der Geschichte, warum Arno sich dem Assassinen Orden anschließt. Der Anfang der Story ist extrem atmosphärisch und gut gelungen. Doch nachdem man dem Assassinen Orden beigetreten ist, geht es qualitätsmäßig schnell bergab! Es gibt einige interessante Nebencharaktere und Gegenspieler, wie zum Beispiel Arnos Mentor „Pierre Bellec“ oder „Napoleon“, die einem im Gedächtnis bleiben. Vor allem das Duo Arno und Elise ist ein tolles Gespann und hat zahlreiche unterhaltsame Dialoge. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte viel zu vorhersehbar, und das Ende ist unzureichend. Wenn wir auf die „Jetztzeit“-Missionen zu sprechen kommen, sind wir schnell fertig. Da man nun nicht mehr Desmond, sondern einen x-beliebigen Menschen spielt, der im Animus sitzt, geht ein sympathischer Hauptcharakter verloren. Ab und zu gibt es Videosequenzen, in denen  Desmonds ehemalige Teammitglieder Rebecca und Shaun vorkommen. Jedoch treten die beiden so selten auf, dass es nicht ins Gewicht fällt. Außerdem bleiben zum Ende hin sehr viele Fragen offen.

Assassin's Creed® Unity

Ihr spielt den Assassinen Arno Dorian!

Kurze Spoilerwarnung! Wer das Spiel noch spielen will, sollte die nächsten 3 bis 4 Sätze überspringen.

Spoilerwarnung

Wer ist für den Tod von Arnos Vater verantwortlich? Warum muss man überhaupt den Weisen finden? Und wieso kann Arno immer noch die Assassinen Gruft betreten und darf seine Ausrüstung behalten, obwohl er aus der Bruderschaft verstoßen wurde?
All das wird nie geklärt und ließ mich extrem unzufrieden zurück. Storymäßig hat der neueste Teil nicht viel zu bieten. Was man noch sagen kann, ist, dass die Entwickler es geschafft haben, die Revolution gut zu inszenieren, sie gleichzeitig jedoch auch eher nebensächlich darzustellen, was aber meines Erachtens eine gute Entscheidung war.

Skillpunkte und viel zu tun!

Wie schon in den vorherigen Teilen, ist diesmal wieder eine frei begehbare Welt verfügbar. Diese ist in zwei Teile unterteilt. Man kann nicht nur Paris, sondern auch Versailles unsicher machen, in dem sich auch die Kindheit Arnos abspielt. Die Spielwelt ist extrem groß ausgefallen und bietet viele Entdeckungsmöglichkeiten. Die Stadt ist in 5 Distrikte aufgeteilt, die optisch unterschiedlich aufgebaut sind und auch verschiedene Gegnertypen bieten. Während wir uns in den Armenvierteln nur mit einfachen Rekruten der französischen Armee auseinandersetzen müssen, sehen wir uns in den reicheren Gebieten besser ausgestatteten und trainierten Gegnern gegenüber, zu denen sogar die Schweizer Garde gehört. Diese Viertel sind voll mit allerlei Nebenmissionen und Sammelgegenständen, die erledigt und eingesammelt werden wollen. Natürlich sind die obligatorischen Aussichtspunkte, mit denen ihr Gebiete aufdeckt, auch wieder dabei.

Bis ihr in Paris alles erkundet habt, vergehen schon einige Stunden!

Bis ihr in Paris alles erkundet habt, vergehen schon einige Stunden!

Die Nebenmissionen haben mir gut gefallen, da es nicht mehr einzelne Aufgaben, sondern eine Reihe von diesen sind, die eine eigene Geschichte erzählt. Auch die Mordgeschichten, in denen man Tatorte untersucht und den Mörder finden muss, lassen sich gut spielen und fordern mit den Nostradamus Rätseln seit langem mal wieder Hirnschmalz. Die eben genannten Rätsel lassen sich mit den denen aus Teil 2 vergleichen. Wenn man alle gelöst hat, winkt die Rüstung des Gründers der französichen Bruderschaft: Thomas de Carneillon. Diese Nebenmissionen sind endlich interessant und haben einiges zu bieten. Mit den Sammelgegenständen kann man sich ebenfalls stundenlang beschäftigen. Man öffnet Truhen und sammelt Kokarden, die in ganz Paris verteilt sind. Das hört sich spaßig an, ist es aber nicht, da dies auf Dauer unglaublich langweilig wird, und euch keine weiteren Vorteile im Spiel bringt. Die Sammelobjekte sind nur vorhanden, um die Gesamtzeit etwas zu strecken. Setzen wir uns nun mit dem neuen Anpassungssystem auseinander.

Fähigkeiten muss man sich verdienen!

Fähigkeiten muss man sich verdienen!

 

Endlich kann man sich seinen Assassinen so zusammenstellen, wie man ihn haben möchte.

Endlich kann man sich seinen Assassinen so zusammenstellen, wie man ihn haben möchte.

Dieses hat mir sehr gut gefallen! Nun ist es möglich, seinen Assassinen auf einen von insgesamt vier Bereichen zu spezialisieren. Entweder man spielt den wendigen Fernkämpfer – mit Gewehr, Bomben und Pistole – oder den flinken Assassinen. Des Weiteren könnt ihr euren Charakter so anpassen, dass ihr ein ruppiger Nahkämpfer seid. Letztendlich kommt noch die Möglichkeit hinzu, einen Heiler zu spielen.  Zusätzlich gibt es nun Skillpunkte, die man verteilen kann, um neue Fähigkeiten freizuschalten. Simple Aktionen wie „Fernkampfwaffennutzung“ oder „Doppelattentat“ erst erlernen zu müssen, gefiel mir wiederum gar nicht. Du wirst dazu gezwungen, die Kampagne zu spielen, damit Grundfähigkeiten erlernt werden. Das alles hört sich jetzt wie ein Multiplayer Spiel an, oder? Da liegt ihr goldrichtig! Assassin’s Creed Unity besitzt jetzt einen kooperativen Multiplayer-Modus. Doch bevor ich auf darauf zusprechen komme, erläutere ich das überarbeitete Kampfsystem. Die ganzen Aktionen wie Konterkill, Konterwurf und Blocken wurden herausgenommen. Das Gleiche gilt für die Killserie, die es ermöglichte, innerhalb kürzester Zeit Horden an Gegnern zu besiegen. Die Grundaktionen bestehen nun aus Parieren, Schlagen und Ausweichen. Dazu kommen weitere Gadgets wie Bomben, Pistolen und eine Art Armbrust.

Das neue Kampfsystem fühlt sich realistischer an!

Das neue Kampfsystem fühlt sich realistischer an!

Das komplette System fühlt sich realistischer und fordernder an. Schon bei 3 bis 4 gut ausgestatteten Gegnern, kommt man schnell ins Schwitzen. Dann zieht man sich lieber zurück oder wirft Medizin ein, um sich länger der eigenen Haut erwärmen zu können. Dadurch geht man Missionen wesentlich vorsichtiger an und erledigt diese nach Möglichkeit leise. Mir hat diese Überarbeitung zugesagt, da dies das Gameplay wesentlich interessanter machte. Arno spielt sich eher wieder wie ein Meuchelmörder und nicht mehr wie ein Draufgänger, der einfach drauf loshaut. Auch das Sorgenkind der Assassinen-Reihe, das Klettersystem, hat sich gebessert und fühlt sich geschmeidiger an. Vor allem das zurück auf den Boden finden ist nun viel einfacher geworden. Trotzdem werden diese beiden positiven Punkte dadurch abgeschwächt, dass die Steuerung ziemlich ungenau und schwammig ausfällt. Ich weiß nicht, wie oft ich gestorben bin, nur weil die Steuerung nicht präzise genug war. Gleiches gilt für das Schleichen und Klettern.

Die obligatorischen Aussichtspunkte sind wie immer dabei!

Die obligatorischen Aussichtspunkte sind wie immer dabei!

Was bleibt zu sagen? Kampf- und Klettersystem haben eine 180 Grad Wendung gemacht, was dem Spiel gut tut. Leider bereitet die eher schwammige Steuerung viele Probleme. Die Nebenmissionen bringen nun zwar mehr Spielspaß mit sich, sind aber trotzdem auf Dauer repetitiv und langweilen ab einem gewissen Punkt.

Eine eigene Bruderschaft!

Der neue kooperative Multiplayer ist eher nebensächlich, sollte aber trotzdem erwähnt werden. Bis zu vier Spieler können nun zusammen in einer Welt Chaos stiften oder Missionen bestreiten. Dabei kommt das Klassensystem zu tragen, was aber nicht wirklich viele Auswirkungen zeigt, da die Missionen meistens viel zu einfach gestaltet sind. Trotzdem weiß der Multiplayer zu überzeugen, da er einen dazu zwingt, zusammenzuarbeiten. Je leiser man die Mission beendet, desto höher fällt die Belohnung aus. Dies setzt eine entsprechende Absprache im Team voraus. Die Grundideen des Multiplayers finde ich gut, obwohl mich das Skillsystem, wie vorher erwähnt, abschreckt. Der Modus ist auf jeden Fall einen Blick wert.

Grafik auf „Next-Gen“ Niveau!

Jetzt kommen wir wieder auf einen der stärkeren Punkte des Spiels zu sprechen: Die Grafik und der Soundtrack. Alle Charaktere überzeugen mit tollen Animationen, Gestiken und Mimiken. Ganz Paris sieht nahezu fotorealistisch aus. Eine wahre Augenweide. Auch Licht und Schatteneffekte sehen in Kirchen und anderen Schauplätzen sehr gut aus. Umso trauriger ist es, dass ich bis zum dritten Patch kaum anständig spielen konnte. Die Framerate, zum Beispiel beim Klettern auf den Notre Dame, sank extrem schnell in den Keller. Auch viele Grafikbugs trübten meine Spielerlebnisse. Aber inzwischen sind die meisten Fehler ausgemerzt.

Bei Menschenmengen sind Framerateeinbrüche an der Tagesordnun

Bei Menschenmengen sind Framerateeinbrüche an der Tagesordnung.

Der Soundtrack gefiel mir auch sehr gut, da er ein großes Spektrum an verschiedenen Stücken bietet. Leider wird die eigentlich tolle Musik zu selten genutzt.

Fazit

Anfangs beeindruckte mich da Spiel mit einem tollen Auftakt, wunderschöner Grafik und einer großen Welt. Doch dann stellte sich relativ schnell die Ernüchterung ein. Die Story wird lahm und vorhersehbar. Das Gamplay wiederholt sich ständig und bietet auf Dauer nichts Neues. Schlussendlich blieb ich auf meiner Meinung sitzen, dass dies ein versuchter Neustart war, der nicht ganz gelungen ist und mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Ich würde das Spiel nur Genreliebhabern empfehlen. 7-Wertung

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